EuskAlema

Jahrelang wurden in Buchläden, Klassenzimmern und an Kneipentresen über die Tatsache, dass es kein Deutsch-Baskisches Wörterbuch gab, die Köpfe geschüttelt. Besonders für Deutschlehrende, Übersetzerinnen und Übersetzer, aber auch für alle anderen, die beruflich oder privat mit beiden Sprachen zu tun haben, bedeutete das Fehlen dieses wichtigen Werkzeugs ein großes Hindernis.

Als 2006 das erste Wörterbuch erschien, war das eine kleine Revolution für alle, die bisher mühsam über eine dritte Sprache die Bedeutung eines baskischen Wortes herausfinden und sich eigene Vokabellisten erstellen mussten. Noch in der Entstehungsphase des Wörterbuchs und aus dem Bedürfnis heraus, die direkte Beziehung zwischen den beiden Sprachen zu fördern, entstand das Projekt EuskAlema, ein Zusammenschluss im deutsch-baskischen Bereich Engagierter, die Initiativen vernetzen sowie Fortbildung und Umgang mit beiden Sprachen erleichtern wollen. Schon Ende der 80er Jahre stellte die »Tandem«-Sprachschule in einer Untersuchung fest, dass sich bei baskischen Muttersprachlerinnen und -sprachlern, die Deutsch lernen wollen, der Lernweg verkürzen und effektivieren lässt, wenn das Euskara zum Ausgangspunkt genommen wird.

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die ihre Schulausbildung komplett auf Euskara absolvieren, hat sich inzwischen vervielfacht. Der Fremdsprachenunterricht hat mit dieser Entwicklung allerdings nur begrenzt Schritt gehalten.

Gründe dafür sind jedoch nicht nur die fehlenden Lehrmaterialien, sondern auch der besondere Kontext, in dem sich das Baskische entwickelt hat. Von vielen wird das Euskera auch heute noch als eine Art »Haussprache« begriffen, während die anderen Landessprachen Spanisch und Französisch als »Fenster zur Welt« angesehen werden. Das mag zutreffen, wenn es zum Beispiel um das spanischsprachige Lateinamerika geht. Beim Erlernen von Deutsch oder Englisch über das Spanische zu gehen, bedeutet für Baskinnen und Basken jedoch, sowohl kulturell als auch sprachlich einen Umweg zu machen.

EuskAlema möchte in Fragen des Spracherwerbs ein Umdenken fördern und den spezifischen Bedürfnissen und Fähigkeiten baskischer Muttersprachlerinnen und -sprachler Rechnung tragen. Deshalb erscheint 2007 – voraussichtlich im Herbst – das erste Lehrbuch »Deutsch für Baskischsprachige« im Erein-Verlag.

Das Euskara hat als moderne europäische Sprache einen neuen Stellenwert erhalten. Diese Entwicklung findet ihren Ausdruck in den zunehmenden Möglichkeiten, auch in deutschsprachigen Ländern Baskisch zu lernen. In Deutschland bieten die Universitäten Frankfurt und Berlin Kurse an. Hinzu kommen vielerorts, auch in Österreich und der Schweiz, die Angebote von privaten Sprach- und Volkshochschulen.

Mit der Herausgabe der »Baskischen Grammatik« für Deutschsprachige wurde ein wichtiger Schritt. zur Normalisierung und Systematisierung des Lernprozesses getan. Ferner ist ein Baskisch-Lehrbuch für Deutschsprachige in Arbeit.

Das Projekt EuskAlema fördert zudem Direktübersetzungen und die Fortbildung von Übersetzerinnen und Übersetzern. So finden seit Herbst 2006 an wechselnden Orten im Baskenland monatliche Workshops statt, in denen deutsch- und baskischsprachige Übersetzerinnen und Übersetzer anhand von Texten diskutieren, auf welche Weise kultureller Hintergrund oder sprachliche Struktur den Übersetzungsprozess beeinflussen. Dieser direkte, kollegiale Austausch ist von unschätzbarem Wert. Per Internet können sich auch außerhalb des Baskenlandes lebende Übersetzerinnen und Übersetzer beteiligen.

Zukünftig soll die Zusammenarbeit mit deutschsprachigen und baskischen Verbänden sowie mit Institutionen, die vor allem sogenannte »kleine« Sprachen fördern, intensiviert werden. Weitere literarische und kulturelle Projekte sind in Planung.

Logo von EuskAlema

Kontakt: euskalema@euskalnet.net