Neuerscheinungen 2009
Karmele Jaio
Mutters Hände
Mit zusammengebissenen Zähnen hockt ein kleines Mädchen in einem aus Sand gebautem Schiff am Strand und blickt geradewegs dem Meer entgegen. Sie weiß, dass ihre Barkasse früher oder später ein Opfer der Flut werden wird. Aber die Kleine ist bereit, sie zu verteidigen.
Es ist ein Foto aus ihrer Kindheit, das Nerea betrachtet, während sie im Krankenhaus am Bett ihrer Mutter, Luisa Izagirre, sitzt. Diese wurde verwirrt auf der Straße aufgefunden und liegt seitdem, gewissermaßen in eine andere Welt versunken, zwischen den weißen Krankenhauslaken. Weder erkennt sie ihre Kinder noch erinnert sie sich an ihren eigenen Namen.
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Harkaitz Cano
Pasaia Blues
Cesar Telleria ist Fahnder, aber vor allem Physiognomiker. Jemand, der Gesuchte in anonymen Menschenmengen aufgrund ihrer Gesichtszüge und ihrer Körpermerkmale erkennt, verfolgt und ausliefert. Er wird in den baskischen Hafenort Pasaia geschickt, um ein ETA-Kommando aufzuspüren, das die Polizei mit üblichen Methoden nicht zu fassen bekommt.
Die heruntergekommene Industrielandschaft der 90er Jahre rund um den grössten Schrotthafen Europas ist Schauplatz des tödlichen Spiels zwischen der Polizei und den Mitgliedern des Kommandos, aber auch die Umgebung von Boxern, Diamanträubern und illegalen Hundekämpfen.
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Literatur aus einem Land, das es nicht gibt
Euskal Herria – das Baskenland – seine Geschichte, Kultur und Literatur sind für viele Menschen in den deutschsprachigen Ländern eine völlige Terra incognita. Es gibt auf Deutsch kaum Bücher zur Geschichte des Baskenlandes, nicht einmal einen Reiseführer. Einmal abgesehen von einigen Kinderbüchern, lassen sich Direktübersetzungen aus dem Euskara – dem Baskischen – ins Deutsche an einer Hand abzählen. Allenfalls über den Umweg über das Spanische erreicht baskische Prosa deutschsprachige Leserinnen und Leser.
Dabei haben baskische Autorinnen und Autoren viel zu erzählen – über radikale Veränderungen und Ereignisse, die Geschichte schrieben, über Grenzen und Aufbrüche, über Tradition, neoliberale Moderne und lokalen Eigensinn.
Literatur in der ältesten Sprache Europas erleben, das heißt Worten zu lauschen, die fremder kaum sein können. Die baskische Sprache ist mit keiner anderen Europas verwandt, prägte aber die Namen vieler europäischer Flüsse, Berge und Landschaften. Wer auf Baskisch schreibt, wendet sich an eine kleine Sprachgemeinschaft und nimmt einen überschaubaren Absatz in kleiner Auflage bewusst in Kauf. Entsprechend unabhängig, vielseitig und experimentierfreudig stellt sich die baskische Literatur heute dar.
Wir sind der Ansicht, dass es sich lohnt, baskische Literatur zu lesen. Deshalb wollen wir eine Brücke – zu Baskisch Zubiak – aus dem Baskenland in den deutschen Sprachraum schlagen. Deutschsprachige Leserinnen und Leser sind herzlich eingeladen, literarisches Neuland zu betreten und eine der spannendsten Sprachregionen Europas zu erkunden.
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